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Abschlussbericht von Moritz

   
 


Nach einem wunderbaren Jahr bin ich nun wieder in Deutschland und nie war mir mein Heimatland so fremd wie zurzeit. Ich merke, dass mich dieses Jahr sehr verändert hat. Natürlich habe ich mich gefreut , meine Eltern und Freunde nach so langer Zeit wiederzusehen und doch überwiegt momentan noch das Heimweh nach meinem anderen Zuhause, nach meiner zweiten Familie, dort in Caracas. Ich vermisse das allgegenwärtige  Lärmen der Stadt, die herzliche offene Art der Menschen und den Geschmack der von Señora Beatriz so lecker zubereiteten empanadas am morgen.

Erste Eindrücke nach der Rückkehr

Vieles sehe ich nach meiner Rückkehr mit anderen Augen. Einige Sachen, welche mir vor einem Jahr als ganz selbstverständlich  vorkamen, überraschen mich jetzt. Erst dadurch merke ich, wie sehr ich mich schon nach einem Jahr an den Alltag in Caracas, Venezuela,  gewöhnt hatte. Zum Beispiel ist mir vorher nie wirklich aufgefallen, wie still es in meinem zweitausenden Einwohner Dorf eigentlich ist. Abends hört man allerhöchstens die Bäume rauschen oder die Kühe blöken, an diese Ruhe muss ich mich erst wieder gewöhnen, oftmals mache ich zum Einschlafen auch jetzt noch Musik an und versuche dadurch,  den gewohnten Geräuschpegel ansatzweise nachzustellen.

Es fällt mir schwer, einen Rückblick auf dieses Jahr zu werfen, denn das würde ja bedeuten, es wäre abgeschlossen, aus und vorbei. Vielleicht liegt es daran, dass ich dies nicht wahrhaben möchte oder daran, dass mir mein Leben und Arbeiten in Caracas einfach noch zu präsent ist,  um es als abgeschlossen zu betrachten. Oft, fast jeden Tag, erwische ich mich dabei,  wie ich an all die Leute denke, welche ich während meines Aufenthalts so ins Herz geschlossen habe, oder wie mir etwas ins Auge fällt, was mich an mein Leben dort in der Ferne erinnert. Nun aber genug von den vielen Eindrücken, welche ich nach meiner Ankunft in Deutschland gesammelt habe. Im Folgenden möchte ich von der „Endphase“ in Las Torres berichten.

Die letzten beiden Monate im Projekt

Nachdem wir mit den Bau der Instrumente fertig waren, planten wir mit allen Kindern ein Lied einzustudieren, welches wir dann auf der Jahresabschlussfeier vor den Repräsentanten der Kinder vorführen wollten. Die Kinder zeigten sich auch anfangs sehr begeistert, erste Probleme gab es jedoch bereits bei der Liedauswahl. Da es unmöglich schien,  ein Lied zu finden,  welches allen Kindern gefallen würde, suchten Kristina und ich zwei Lieder aus, zwischen denen die Kinder dann entscheiden konnten. Auch den Plan,  möglichst alle Kinder einzubeziehen, mussten wir leider aufgeben. Es schien einfach unmöglich zu sein,  alle Kinder einmal gleichzeitig zum Üben zur Verfügung zu haben. Entweder waren einige noch nicht mit ihren Hausaufgaben fertig oder sie mussten zum Sport oder in die Werkstatt. So reduzierte sich unsere Gruppe auf acht Kinder. Mit diesen begannen wir dann zunächst einmal den Text des von den Kindern ausgewählten Liedes umzuschreiben. Bei den eigentlichen Proben zeigten einige der Kinder wirklich musikalisches Talent. Es lief eigentlich ganz gut, problematisch war nur die Kinder dazu zu bekommen,  sich auch wirklich mal eine dreiviertel Stunde zu konzentrieren und ruhig (was in diesem Zusammenhang vielleicht das falsche Wort ist) zu arbeiten. Aus diesem Grund waren die Proben auch für Kristina und mich des Öfteren sehr anstrengend. Nichtsdestotrotz haben wir und vor allem die Kinder es geschafft, am Ende des Jahres die angestrebte Aufführung problemlos hinzubekommen. Es war wirklich süß, die
Aufregung und Nervosität der Kinder vor dem Auftritt zu sehen. Durch die Arbeit an dem Musikprojekt konnten wir die Kinder noch einmal ganz neu, außerhalb des gewohnten Arbeitsumfeldes, kennenlernen.

In dem gesamten Jahr habe ich immer wieder neue Menschen kennengelernt, bin immer wieder mit neuen mir unbekannten Situationen konfrontiert wurden und doch gab es da eine Konstante, welche mich über das ganze Jahr hinweg begleitet hat, die Kinder. Wie sehr die tägliche Arbeit in den Zentren bereits zu meinem Alltag gehörte,  merkte ich erst im letzten Monat meines Aufenthaltes, in welchen die Zentren bereits geschlossen und die Kinder in die Schulferien entlassen worden waren. Mir fehlte und fehlen auch jetzt noch das quirlige Geschnatter der Kleinen, ihre naive Ausgelassenheit und ja auch ihr Einfallsreichtum, wenn es mal wieder darum ging, sich vor den Hausaufgaben zu drücken.  Gerade weil mir all diese Kinder während meiner Arbeit so nah gekommen sind und ich sie für immer in mein Herz geschlossen habe,  fiel mir der Abschied von ihnen natürlich besonders schwer. Es flossen viele Tränen und am Ende blieb ich mit einem Gefühl der absoluten Leere zurück. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben, dass ich viele dieser Kinder vielleicht zum letzten Mal in meinem Leben gesehen habe.

Auch wenn es von Zeit zu Zeit frustrierende Situationen gab, habe ich mich während meines gesamten Aufenthaltes immer gut aufgehoben gefühlt. Nie hatte ich das Gefühl allein zu sein. Mein Dank gilt deshalb vor allem Christel und Lothar, die immer ein offenes Ohr für meine Probleme und Beschwerden hatten und mir diese wirklich einmalige Erfahrung erst ermöglich haben.

Vielen Dank!

 
     
 
   
     
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