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Schon einige Wochen bin ich jetzt wieder zu Hause und bei meiner Familie in Berlin, am 28.08.2008 bin ich aus Caracas angekommen.
Fast ein ganzes Jahr habe ich in einer vollkommen anderen Atmosphäre mit anderen Menschen, Bräuchen und Herausforderungen gelebt und gearbeitet.
Der Hauptbestandteil dieses Jahres waren die Arbeit in der Vorschule, in der Hausaufgabenbetreuung und das Leben im Viertel.
Im Nachhinein werde ich mir erst wieder bewusst, wie auffällig ich doch in diesem Viertel gewesen sein muss, wo alle mindestens 2 Köpfe kleiner und so dunkel waren, dass ich neben ihnen hervorgeleuchtet haben muss.
Auffälligkeit hat immer sowohl positive als auch negative Seiten und solange wir in der Umgebung unserer Arbeit waren, kannte uns jeder und ich würde behaupten, wir waren aufgrund unserer Arbeit von vielen gern dort gesehen.
Ist man allerdings an Orten, an denen man unbekannt ist, dreht sich dieses Bild, weil die Menschen bei großen Blonden immer U.S.-Amerikaner vermuten, und normalerweise sind sie dann erst einmal sehr reserviert. Am Ende unseres Aufenthalts haben sowohl Verena als auch ich scheinbar schon so gut das venezolanische Spanisch gesprochen, dass die Menschen darüber immer verwundert oder sogar erfreut waren.
Sowieso waren trotz allem die meisten immer sehr zuvorkommend zu uns und haben geholfen, am meisten aber waren unsere Nachbarn für uns Menschen, die uns jederzeit geholfen und uns unterstützt hätten und haben.
Nachdem wir uns im Viertel eingelebt und die wichtigen Personen kennen gelernt hatten, war das Leben dort wirklich angenehm für mich, da ich mich mit den Leuten sehr gut verstanden habe und mir alle sehr freundlich begegnet sind.
Den größten Teil meiner Arbeit habe ich im Hausaufgabenbetreuungszentrum in Las Torres geleistet, wo Verena und ich, wie schon in den Zwischenberichten beschrieben, seit Januar gearbeitet und vor allem zwei große Projekte mit den Kindern durchgeführt haben.
An die Zeit davor mit den Kindern in der Vorschule in El Retiro erinnere ich mich gerne. Ich habe die Zeit mit den kleinen Kindern genossen, aber sowohl für Verena als auch für mich war es so, dass wir das Gefühl hatten, uns nicht richtig einbringen zu können, da die Maestras (Erzieherinnen) sehr festgelegte Tagespläne hatten, in denen nur wenig Platz für unsere Ideen war.
Dort bestand der „Schul“-Tag meistens darin, dass die 3 bis 4-jährigen Kinder morgens erst einmal ein paar Lieder sangen, danach frühstückten, dann einige Übungen zum Alphabet machten, bis die Zeit gekommen war, auf den kleinen Spielplatz auf dem Dach zu gehen. Dort blieben wir, bis es Essen gab. Nach dem Essen stand der Mittagsschlaf auf dem Plan und danach wurden die Kinder auch bald abgeholt.
Als wir dann nach Las Torres gewechselt sind, hat sich viel an unserem Arbeitseinsatz verändert, da wir dort viel mehr Freiheiten und auch Verantwortung bekamen. So mussten wir nach dem Wegfall von 2 Mitarbeitern deren Gruppen bei der Betreuung der Hausaufgaben übernehmen und auch für die Zeit nach der Beendigung der Hausaufgaben haben wir immer versucht, etwas beizutragen, damit die Kinder spielerisch noch ihre Fähigkeiten erweitern konnten.
Vor allem ab Ostern haben wir, wie schon beschrieben, zwei große Projekte mit den Kindern gestartet, eins mit denen, die am Vormittag kamen und ein anderes mit der Nachmittagsgruppe.
Mit den Kindern am Vormittag war das Hauptthema „Märchen“. In diesem Zusammenhang haben wir mit ihnen zuerst Märchen gelesen, das heißt, wir haben ihnen meistens vorgelesen, um sie überhaupt erst mit dem Lesen bekannt zu machen.
Daraufhin haben wir kleinere Arbeiten zum Thema Märchen durchgeführt, bis wir angefangen haben, große Stabpuppen zu bauen. Jedes Kind hat einen Charakter gebaut und musste ihn, nachdem alle Puppen fertig waren (was wirklich lange gedauert hat), beschreiben und seine Relationen zu den anderen Puppen erklären.
Aus diesen Informationen haben Verena und ich ein Theaterstück geschrieben, das wir am Ende des Schuljahres nach langer Zeit des Probens und Übens sehr erfolgreich aufgeführt haben.
Mit den Kindern der Nachmittagsgruppe haben wir aufgrund vieler Fragen von Seiten der Kinder ein Projekt zum Sonnensystem erarbeitet.
Dazu haben wir ein Mobile aus Pappmache-Planeten gebaut, das riesige Maße hatte und hoffentlich noch heute von der Decke des Zentrums in Las Torres hängt.
Bei der Vorführung des Theaterstücks der Vormittagsgruppe haben auch die Kinder der Nachmittagsgruppe die Planeten und das Sonnensystem-Mobile vorgestellt.
Über den Sinn meiner Arbeit dort habe ich sehr viel nachgedacht - auch, weil viele Venezolaner meine Motivation überhaupt nicht verstanden haben. Für sie ist es vollkommen unverständlich, warum ich venezolanischen Kindern im Barrio mit all seinen Unannehmlichkeiten helfen möchte, anstatt in Deutschland auf der faulen Haut zu liegen, weil ich ja sowieso kein Geld verdiene.
In diesem Satz aber versteckt sich auch eine meiner Fragen: Helfe ich eigentlich wirklich?
Manchmal hat man das Gefühl, dass um die deutschen Freiwilligen ein riesiger „Bahai“ gemacht wird, es wird ein Flug gekauft, die Unterkunft muss geklärt werden, sie müssen sich eingewöhnen, müssen fast immer geleitet werden und sind allesamt irgendwie einfach halt nicht von da. Und sind dabei nicht einmal richtige Lehrer, sondern haben gerade erst ihr Abitur gemacht.
Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass wir sehr wohl eine Bereicherung für die Arbeit in der Asociación darstellen, weil wir einfach andere Ideen einbringen, motiviert sind bis unter die Hutkrempe und damit auch andere Mitarbeiter anspornen. Alleine unsere andere Auffassung von Bildung ist es schon wert vertreten zu werden, denn das freie, selbstständige Denken steht in venezolanischen Schulen leider nicht im Vordergrund.
Auf der anderen Seite sind wir auch kulturelle Botschafter und können viel von den Venezolanern lernen.
Überhaupt ist natürlich diese Zeit für uns Freiwillige ein großes Geschenk, was uns der Freundeskreis gemacht hat, indem er uns nach Caracas schickt. Ich denke, es gibt kaum etwas, das so sehr bildet, wie ein langer Aufenthalt in einer anderen Kultur unter unbekannten Umständen und mit der Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen und mit ihnen in Austausch zu treten. |
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